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Frei laufende Hunde und Wildschutz

Gemeinsame Presseerklärung der Kreisjägerschaft Dortmund e.V. und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) - Kreisgruppe Dortmund

Einen Beitrag zur Versachlichung der aktuellen Diskussion zur Anleinpflicht für Hunde in der Landschaft wollen die Kreisjägerschaft Dortmund und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit einem gemeinsamen Positionspapier leisten.

Anlass ist die Absicht der Stadt, weite Teile der Dortmunder Wälder (u.a. Grävingholz, Dorney, Bittermark, Niederhofer Holz) unter Naturschutz zu stellen, die damit verbundene Anleinpflicht für Hunde aber zu lockern. Inwieweit dies Auswirkungen auch auf die bestehenden Naturschutzgebiete (z.B. Bolmke) hätte, ist derzeit offen.

Jäger und BUND plädieren aus fachlichen und rechtlichen Gründen für die Beibehaltung der Hunde-Anleinpflicht in allen Naturschutzgebieten. Zudem sei es den Bürgern nicht vermittelbar und schon gar nicht zu kontrollieren, wenn in einigen Naturschutzgebieten eine Anleinpflicht bestünde und in anderen nicht.

1. Schutz der Wildtiere

"Viele Hunde sind des Hasen Tod". Diese Redensart gilt insbesondere im städtischen Ballungsraum, wo die Wälder und Feldfluren einem hohen Erholungsdruck unterliegen.

Für Wildtiere, die in früheren Zeiten auch tagsüber aus ihren sicheren Einständen herausgetreten sind und ihrem natürlichen Verhalten nachgehen konnten, hat sich eine Lebensweise ergeben, die Wildtiere häufig nur noch nachts und in der Dämmerung aus ihren sicheren Tageseinständen hervorkommen lässt. Nur zu diesen Zeiten fühlen sich die Wildtiere vor menschlichen Störungen noch sicher. Tagsüber halten Sie sich vornehmlich in Dickungen auf.

Aber selbst in diesen Rückzugsräumen findet das Wild heutzutage nur noch bedingt Zuflucht.

So wird z.B. von unverantwortlichen Hundebesitzern durch das Werfen von Apportiergegenständen vom Wege aus in das angrenzende Unterholz, in Hochstaudenfluren und sensible Feuchtfläche das freilebende Wild vom Hund aufgesucht, gestört und dauerhaft vertrieben. Wenn dabei Sichtkontakt oder eine Geruchsfährte eines Wildes aufgenommen wird, ist die Gefahr des Hetzens und des Tötens durch den Hund real gegeben. Selbst die Geruchswahrnehmung eines Hundes in größerer Entfernung (wenn der Wind gut steht) wird vom Wild als Bedrohung von einem Raubtier wahrgenommen und somit als Gefahr verstanden.

Besonders betroffen sind boden- oder bodennah brütende Vögel und ihre Gelege, wie zum Beispiel der Kiebitz, der auf Wiesen, Brachen und Äckern nistet. Eine leichte Beute werden auch junge Säugetiere: der Feldhase bereits im zeitigen Frühjahr (,Märzhasen"), später, etwa ab Mitte Mai, auch Rehkitze und andere. Der/die verantwortliche Hundehalter/in sollte sich dessen bewusst sein, dass das Stöbern und Hetzen seines Hundes von Wildtieren in Feld und Flur ein Straftatbestand ist. Auch das mutwillige Beunruhigen von Wildtieren ist untersagt (z.B. durch das Stöckchen-Holen-Spiel). Das gilt zu allen Jahreszeiten und für alle Wildtiere , also z.B. auch für bei uns nur rastende oder überwinternde Zugvögel.

Nicht verschwiegen werden soll, dass in Dortmund nach dem Landesjagdgesetz auch Hunde erschossen werden mussten, die nachweislich wilderten.

2. Ist Hunde-Anleinen eine Tierquälerei?

Von Hundehaltern wird argumentiert, eine Anleinpflicht für Hunde sei als Tierquälerei zu werten und deshalb gegen den Tierschutz gerichtet. Hierzu bemerken Jäger und BUND: Die Anleinpflicht gilt nur in den Naturschutzgebieten (d.h. derzeit auf 2,4 % der Stadtfläche, künftig evtl. auf 7 %). Dies sind die ökologisch besonders wertvollen Kernbereiche des stadtweiten Biotopverbundsystems. Auch ein angeleinter Hund habe mit den heutigen variablen Leinen (Rollautomatik) sehr wohl Auslaufmöglichkeiten. Auf den meisten Flächen in der freien Landschaft (Landschaftsschutzgebieten) könnten Hunde in der Obhut des Halters ohne Leine laufen, wenn sie auf den Wegen bleiben. Im Übrigen sollten Hundehalter daran denken: Tierschutz beschränkt sich nicht auf Haustiere, sondern umfasst auch Wildtiere.

3. Rücksichtnahme auf Spaziergänger und Jogger

Nicht angeleinte Hunde stellen nicht nur für die Wildtiere, sondern auch für Spaziergänger, Kinder und Jogger - insbesondere in den Wäldern - eine Störung und Gefahr dar. Gegenseitige Rücksichtnahme bedeutet hier, seinen Hund anzuleinen. Spaziergänger und Wanderer sollten den Mut aufbringen, uneinsichtige Hundehalter anzusprechen und auf ein artenschutzgerechtes Verhalten hinzuweisen.

Leider fehlt hier bisher eine regelmäßige Kontrolle, Uneinsichtige zur Rücksichtnahme zu bewegen. Die fehlenden Kontrollen der bisherigen Regelungen, insbesondere in den Stadtwäldern, führt leider immer wieder zu unnötigen Diskussionen, wie sie jetzt auch im Rahmen der Debatte um die Ausweitung der Naturschutzgebiete aufgetreten sind. Sicher ist aber, dass verschärfte Regeln nur dann eine Besserung bringen, wenn man sie auch nachhaltig kontrolliert.

4. Rechtliche Aspekte

Die rechtliche Situation für die Hundehaltung ist differenziert und zum Teil für den Bürger nicht ganz verständlich.

Eine Anleinpflicht besteht im Siedlungsbereich auf Straßen und in Anlagen (Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Dortmund). Außerhalb der Siedlungsbereiche besteht ein Leinenzwang nur in den 16 rechtskräftigen Naturschutzgebieten (u.a. Hallerey, Dellwiger Bachtal, Beerenbruch etc.). In den Wäldern dürfen Hunde ohne Leine zur mitgeführt werden, wenn sie die Wege nicht verlassen (Landesforstgesetz NRW). Ordnungswidrig handelt der Halter, wenn sein Hund wildlebende Tiere beunruhigt, verletzt oder tötet. Bußgelder bis zu 50.000 Euro können ausgesprochen werden (Landschaftsgesetz NRW). Nach dem Landesjagdgesetz können wildernde Hunde auch durch den Jagdschutzberechtigten bzw. Jagdaufseher abgeschossen werden.

Udo Reppin (Vorsitzender Kreisjägerschaft Dortmund e. V.)
Thomas Quittek (Sprecher der BUND-Kreisgruppe Dortmund)

Vorschriften Hundeführung


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