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19.10.2012 Streuobstwiesen - Bedeutung und Schutz

Die Streuobstwiese ist eine traditionelle Form des Obstbaus, in Unterscheidung zum Niederstamm-Obstbau in Plantagen. Die Bezeichnung Streuobstwiese stammt von dem Begriff „Obstbau in Streulage“, der nach derzeitigen Erkenntnissen erstmals 1940 für den nicht-gewerblichen, hochstämmigen Obstbau in Schleswig-Holstein verwendet wurde. Auf Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Streuobstwiesen sind meist charakterisiert durch eine Bewirtschaftung ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel. Für die heimische Artenvielfalt spielen sie mit 3.000 Tier- und Pflanzenarten sowie mehr als 1.000 Obstsorten (www.streuobstapfel.de) eine herausragende Rolle – gerade auch für Vogelarten wie Steinkauz,  Gartenrotschwanz und Grünspecht. Die Heilwirkungen des Apfels sind vielfach belegt.

Für die Streuobstwiese eignen sich nur robuste Sorten, die auf auf Sämlingsunterlagen als Hochstämme erzogen werden. Die Sortenvielfalt hat oft einen regionalen Bezug. Traditionelle Artenzusammensetzung und Sortenauswahl sind an unterschiedliche Standorte und Nutzungen angepasst. Von den über 1500 Apfelsorten Mitteleuropas und unzähligen Regionalsorten sind sind heute nur noch 25 im deutschen Erwerbsobstanbau. Im Supermarkt findet man heute nur noch 8-10 Sorten, die für Streuobstwiesen meist ungeeignet sind, weil sie sehr empfindlich sind und nur in intensivem Anbau mit dem Einsatz von Fungiziden und Insektiziden marktfähige Früchte hervorbringen.

Streuobstwiesen sind das Genreservoir alter Regionalsorten. Eine Übersicht über die in Westfalen verwendeten Obstsorten findet sich auf der Internetseite vom BUND-Lemgo  http://www.bund-lemgo.de/bezugsquellen-alte-obstsorten.html

In Dortmund hat das Umweltamt ca. 110 Streuobstwiesen registriert. Hinzu kommt noch eine nicht bekannte Anzahl von Obstwiesen, die als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen angelegt wurden. Eine vollständige Kartierung der Streuobstwiesen in Dortmund gibt es nicht. Die BUND-Kreisgruppe Dortmund hat im Rahmen ihres Apfelsaftprojekts 2005 etwa 100 Streuobstwiesen in eine Karte erfasst. Die Anlage von Streuobstwiesen wurde durch die Landesförderung seit 1990 vorangetrieben. 20-30 Streuobstwiesen werden im Auftrag des Umweltamtes jährlich einmal von externen Auftragnehmern gemäht bzw. (mit Schafen) beweidet. Hinzu kommen Patenschaften von Privatpersonen und Vereinen. Der BUND Dortmund hat seit 2015 Patenschaften von drei städtischen Streuobstwiesen in Kirchderne und Derne übernommen.


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